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Die Systemantwort (vorläufig)

11 January 2008

Crosspost Crosspost

Zum Wochenende noch ein paar (ausbaufähige) Gedanken von mir:

Grundsätzlich sehe ich außer Freiem Wirtschaften kein Wirtschaftssystem, das meinen Ansprüchen an eine liberale Gesellschaft entspräche. Erst einmal verstehe ich darunter die Freiheit, etwas, das ich[abstrakt] gemacht habe, zu jedem Preis abzugeben, den ich wähle.

Weil die Welt aber so einfach nicht ist, sind dabei schon Einschränkungen nötig. Hier ist es jeweils wichtig (mehr oder weniger im Einzelnen) eine Abwägung zwischen dem gewünschten Liberalismus und anderen Interessen (aka. Rechtsgütern) zu treffen. Das betrifft u.a.:

Erst einmal meine ich[konkret] hier die Freiheit des/der Einzelnen - einige (viele) Aufgaben können aber nur durch die Kooperation Mehrerer erfüllt werden.

“Firmen” sind dafür m.E. nicht die ideale Lösung (die es aber wie immer nicht gibt). Zum einen entsteht durch die Trennung von EigentümerIn(nen) und MitarbeiterInnen die schon die von einem gewissen Karl M. beschriebene Entfremdung von der eigenen Arbeit, zum Anderen sind solche Strukturen strukturell autoritär und leiden damit unter Kommunikationsproblemen (snafu - Untergebene erzählen ihren Vorgesetzten tendenziell genau das, was die hören wollen, wodurch diese zunehmend den Kontakt zur Außenwelt verlieren, was es noch schwerer macht, ihnen die Wahrheit zu sagen).

Alternativen können Genossenschaften oder (zumindest im Bereich nicht-materieller Produktion) lose Netzwerke sein. Firmen als solche zu verbieten ist aber auch nicht zielführend, weil zum Freien Wirtschaften natürlich auch die Freiheit gehören muss, unselbständige, bezahlte Arbeit aufzunehmen bzw. nachzufragen.

Problematisch wird die Freiheit im Wirtschaften aber, wenn sie anfängt, sich selbst einzuschränken indem durch die Akkumulation von Kapital auch Macht akkumuliert wird, die dann wieder zur Mehrung des Kapitals verwendet werden kann (und wird). Das kann in Korporationen (also Firmen, aber auch Genossenschaften), aber auch bei Einzelnen passieren - und muss entsprechend regulatorisch unterbunden werden.

Wichtig ist aber vor allem, dass das Wirtschaften - auch nicht das Freie - kein Grundwert ist. Im Zweifel wichtiger ist das Freie Leben in Würde und ohne Not. In Freiheit und ohne Not heißt für mich insbesondere, dass niemand unter Androhung von materiellem Mangel zu Arbeit gezwungen werden darf - und solange der Bedarf des täglichen Lebens nicht einfach unbegrenzt zur Verfügung steht muss dies eben finanziell sichergestellt sein. Mensch könnte das als Grundeinkommen bezeichnen, wobei mir Auszahlungsmodalitäten eher egal sind, solange sie diesen Zweck erfüllen.

In ganz-kurz-Fassung: Wirtschaft: nicht primär; Markt: solange’s hilft; Frei: unbedingt (aber eingeschränkt).