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Realnamenzwang oder: Wie heißt du eigentlich im Internet?

16 July 2011

Zur Klarnamendebatte ist schon viel Text den Stream heruntergeflossen, trotzdem kommt mir ein Aspekt dabei etwas zu kurz. Häufig wird auf die Notwendigkeit von Anonymität für die abgezielt, die es sich nicht leisten können unter ihrem Realnamen aufzutreten (und das ist nicht so weit weg wie man denkt). Ich habe mit dem Realnamenzwang aber auch ein first world problem:

Mein Umfeld ist sehr stark durch Twitter geprägt: fast alle Menschen mit denen ich außerhalb der Uni zu tun habe twittern, kenne ich von Twitter oder kenne ich über Twitterer bzw. von Twittererveranstaltungen. Das heißt für mich: ich kenne sie primär über ihren Twitternamen oder andere, selbstgewählte Nicknames. Bei einigen kenne ich auch ihren Geburtsnamen ganz oder teilweise, aber bei den meisten muss ich zumindest kurz überlegen, bevor er mit einfällt. Früher oder später werde ich mir auch eine Liste machen müssen, bisher geht’s aber auch noch so – weil es im Alltag keine Rolle spielt, wenn ich mal jemandes elterngewählten Vornamen nicht weiß.

Ich kannte mspro schon bevor er zu Michael Seemann wurde, ob Mario Sixtus “wirklich” so heißt – I don’t know and I don’t care. Meine Exfreundin habe ich 8 Monate lang nicht mit ihrem Geburtsnamen angesprochen.

Insofern sind soziale Netze mit Realnamenzwang für mich regelmäßig irritierend: Wer bist du? Erkenne ich deinen Avatar? klick klick wo ist der Link zu deinem Twitterprofil?

Google verlangt, man solle den Namen verwenden, den Freunde, Familie und Kolleg_innen verwenden. Da wo ich lebe, ist das nicht der Name, der auf der Geburtsurkunde steht (außer für die Familien vielleicht, aber die sind ja wiederum (noch) nicht bei Google+). Das ist es, was Google respektieren sollte.