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So etwas wie eine Kriegserklärung. Vielleicht.

13 January 2010

Google wird ab sofort seine chinesische Suchseite nicht mehr zensieren, weil China offensichtlich organisiert versucht hat, Accounts von Regimegegnern zu hacken. Und Google hat beschlossen, sich das nicht gefallen zu lassen, sondern damit an die Öffentlichkeit zu gehen: Google wird ab sofort seine chinesische Suchseite nicht mehr zensieren, weil China offensichtlich organisiert versucht hat, Accounts von Regimegegnern zu hacken. Und Google hat beschlossen, sich das nicht gefallen zu lassen, sondern damit an die Öffentlichkeit zu gehen:

We have taken the unusual step of sharing information about these attacks with a broad audience not just because of the security and human rights implications of what we have unearthed, but also because this information goes to the heart of a much bigger global debate about freedom of speech.

Da mit der chinesischen Regierung also offenbar nicht gut Kirschen essen ist, haut Google mal auf den Tisch und wird Google.cn nicht mehr in deren Sinne zensieren:

We have decided we are no longer willing to continue censoring our results on Google.cn, and so over the next few weeks we will be discussing with the Chinese government the basis on which we could operate an unfiltered search engine within the law, if at all.

Je nachdem, wie weit Google bereit ist zu gehen, um notfalls auch gegen die chinesische Regierung ungehinderten Zugang zu Suchergebnissen in China anzubieten, könnte das die erste Kriegserklärung eines Neuen gegen einen Alten Staat sein.

Neue Staaten

Dass Internet-Konglomerate wie Social Networks und Dienste in gewissem Sinne staatsartige Strukturen darstellen hat plomlompom vor Kurzem in seinem Identity-Wars-Vortrag dargelegt.

In ihrem Inneren findet immer wieder eine Art politischer Prozess statt; Beispielhaft seien hier die zahlreichen Kampagnen genannt, die immer wieder innerhalb von Facebook für oder gegen das Eine oder Andere stattfinden. Diese staatsartigen Gebilde sind nicht demokratisch, aber da die Benutzer sie sehr viel leichter als ein Staatsbürger sein Land verlassen kann, und weil die Digital Natives darin geübt sind, sich sehr laut bemerkbar zu machen, können derartige Proteste immer wieder etwas bewirken.

Dazu kommt im Falle von Google, dass es sich inzwischen um einen der größeren Konzerne auf der Welt handelt, eine Corporation, also eine sehr eigenständiges Entität, die nicht an einen einzelnen Ort oder wenige Personen gebunden ist, und unter diesen eine der mächtigsten. Und diese Eigenständigkeit baut Google gerade massiv aus, beispielsweise durch den fortschreitenden Kauf von Dark Fiber oder die Gründung von Google Energy. Da arbeitet jemand daran, möglichst weltweit unabhängig von lokalen externen Ressourcen zu werden.

Eine Konfrontation

Google lässt sich also von der chinesischen Regierung erst einmal nicht mehr auf der Nase herumtanzen und vorschreiben, was es dort zu sehen gibt und was nicht. Gut möglich, dass da bald ein Rückzieher eingelegt wird, bei dem beide Seiten ihr Gesicht wahren können; wie offensiv Google die chinesischen Angriffe anprangert spricht aber dagegen.

Sollte es Google dagegen auf eine wirkliche Konfrontation anlegen, könnte der erste kalte oder heiße Krieg eines solchen Neuen gegen einen Alten Staat bevorstehen. Die technischen Voraussetzungen — und Waffen — hat Google, einen kleinen Vorgeschmackt darauf gibt das weltweite Deployment der Google-DNS-Server, die in vielen Netzen schneller zu erreichen sind als die des eigenen Providers (beim 26C3 hatte ich Pings von um die 2ms zu 8.8.8.8), die auf einen Schlag weltweit alle einfachen DNS-basierten Sperrlösungen unterlaufen.

Gezielt die Great Firewall of China außer Gefecht zu setzen beziehungsweise zu unterlaufen käme einer Eroberung und Befreiung/Besetzung des chinesischen Cyberspace gleich. Andererseits wird das nicht ohne Gegenwehr ablaufen; dass die chinesische Regierung im großen Stil hackt und crackt ist ein offenes Geheimnis (und jetzt ja auch von Google selbst ziemlich direkt gesagt).

Es bleibt spannend.


direktvolkistvolk

Update: Markus Beckedahl hatte einen ähnlichen Gedanken.

Update 2: mspro auch.